Flames belohnen sich mit zwei Punkten

Lange Zeit sah es nach der Sensation aus und das bisherige punktlose Schlusslicht VfL Waiblingen durfte gut 50 Minuten auf die ersten Bundesligapunkte hoffen, doch dann drehten die Flames der HSG Bensheim/Auerbach noch das Spiel und holten sich mit dem 32:28 (18:19) bei den Tigers den vierten Saisonsieg. Beste Werferinnen bei den Flames waren Lisa Friedberger mit 10/5 und Dionne Visser mit 8 Toren.

Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm war nach dem Spiel erleichtert: „Wir haben die zwei Punkte. Man hat uns angemerkt, dass wir gerade vom mentalen, vom Selbstvertrauen und von der Selbstverständlichkeit nicht so performen, wie wir uns dies wünschen. Wir haben uns heute ganz viel vorgenommen und wollten es wieder gut machen und da steht man sich dann halt auch oft auch selber im Weg. Wir haben viele Dinge nicht so umsetzen können, wie wir uns das vorher vorgenommen haben. 19 Tore in der ersten Halbzeit ist auch von der Abwehr her indiskutabel. In der Pause haben wir dann gesagt, dass wir in der zweiten Halbzeit mehr in die Abwehr investieren wollen. Wir haben dann auf 5:1 umgestellt. In der zweiten Halbzeit bekommen wir dann nur noch neun Tore und ich glaube, dass wir das in der Abwehr in der zweiten Halbzeit richtig gut gemacht haben und dass wir damit dann auch unseren Torhütern helfen. Am Ende des Tages war es jetzt kein schöner Sieg, aber der Sieg war wirklich wichtig, denn es war ein sehr schweres Spiel nach all der Kritik, die berechtigt war, in den letzten Wochen. Daher war das jetzt wichtig, dass wir jetzt mal zwei Punkte haben und etwas Ruhe ist.“

Den Flames war die Verunsicherung nach der Leistung in Neckarsulm anzumerken. Sie mussten als Favorit diese zwei Punkte holen und auch kämpferisch Wiedergutmachung zeigen gegenüber dem Mittwochspiel. Der bisher punktlose Aufsteiger wiederum hatte nicht zu verlieren und witterte seine Chance gegen den angeschlagenen Gegner.

So führte der Gastgeber nach knapp sieben Minuten mit 6:4. Zweimal Lisa Friedberger (davon einmal per Siebenmeter) und Lucie Kretzschmar brachten die Flames wieder 7:6 (10.). Zwei Tore der Tigers zum 7:8 und drei Treffer von Dionne Visser, Sarah van Gulik und Lucie Kretzschmar zum 10:8 (13.) sorgten erneut für einen Zwei-Tore-Vorsprung der Flames. Beim 12:9 (16.) durch Lisa Friedberger waren es erstmals drei Tore und man dachte, jetzt nimmt das Spiel den erhofften Lauf.

VFL-Trainer Thomas Zeitz nahm direkt danach eine Auszeit und sein Team ließ sich nicht abschütteln – auch weil die Flames-Abwehr in der ersten Halbzeit oft zu nachlässig war. Beim 15:15 (25.) war das Spiel wieder ausgeglichen und Heike Ahlgrimm reagierte ihrerseits mit einem Team-Timeout. Sie fand offensichtlich die richtigen Worte, denn Leonie Kockel und Dionne Visser brachten die Flames wieder mit 17:15 (27.) in Front.

Aber Waiblingen ließ sich nicht abschütteln und konnte wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff sogar noch den Führungstreffer zum 19:18 für den Gastgeber erzielen.

Nach der Pause stellte Heike Ahlgrimm ihre Abwehr auf 5:1 um, was die ersten Minuten noch etwas hackte, dann aber immer besser funktionierte und die Trainerin zufrieden stellte. „Mit nur noch neun Gegentoren in der zweiten Halbzeit hat die Abwehr gut funktioniert und wir haben damit auch unseren Torleuten geholfen“, analysiert Heike Ahlgrimm die zweite Halbzeit.

Und mit der stärkeren Abwehr funktionierte es auch im Angriff besser. Die Flames machten aus einem 22:24-Rückstand eine 25:24-Führung (49.). Die junge Neele Orth übernahm Verantwortung und ging in die Abwehr und erzielte nicht nur zwei Tore, sondern holte auch gleich einen Siebenmeter raus. Samira Brand konnte zwar noch einmal zum 25:25 (49.) ausgleichen, doch Leonie Kockel und Neel Orth brachten die Flames mit ihren beiden Toren zum 27:25 (52.) auf die Siegerstraße.

Am Ende stand ein umjubeltes 32:28 für die Flames auf der Anzeigentafel und allen fiel ein großer Stein vom Herzen.

„Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass wir wieder Selbstvertrauen und Selbstverständlichkeit bekommen und einfach wieder die Leistung, zu der wir imstande sind, abrufen. Im Moment ist es einfach ein mentales Problem. Es gibt so Phasen, die hatten wir jetzt schon lange nicht mehr, aber da werden wir auch wieder gestärkt herauskommen. Ich bin davon überzeugt, auch von meinen Mädels überzeugt, dass wir dies schaffen und irgendwann auch die Leichtigkeit wieder kriegen, um solche Spiele wieder souveräner zu gestalten. Heute haben wir zwei Punkte, die kann uns keiner nehmen und jetzt werden wir weiter trainieren und daran arbeiten, dass wir wieder unsere Leistung abrufen. Aber jetzt kommt erst einmal nach dem gefühlt schwersten Spiel das einfachste Spiel am Freitag gegen Bietigheim. Da haben wir nichts zu verlieren“, so Heike Ahlgrimm.

Weiter geht es für die Flames bereits am Freitag, 30.12.2022, um 19:30 Uhr gegen den Deutschen Meister SG BBM Bietigheim. Das Team von Bundestrainer Markus Gaugisch ist als einzige Mannschaft auch diese Saison bisher ohne Verlustpunkt und konnte sich gestern eindrucksvoll mit 35:22 gegen den Vizemeister Borussia Dortmund durchsetzen.

HSG Bensheim/Auerbach:
Vanessa Fehr, Helen van Beurden – Amelie Berger (1), Leonie Kockel (3), Lotta Heider (2), Myrthe Schoenaker, Elisa Stuttfeld (1), Alicia Soffel, Ndidi Agwunedu (1), Lisa Friedberger (10/5), Sarah van Gulik (1), Neele Orth (2), Lucie Kretzschmar (3), Sophia Ewald, Lilli Holste, Dionne Visser (8).

 


Flames bei Aufsteiger Waiblingen am 2. Weihnachtstag

Diese Saison bleibt den Bundesligateams noch weniger Zeit Weihnachten mit ihren Familien zu verbringen. Denn bereits am 2. Weihnachtstag geht es in der Handball Bundesliga Frauen (HBF) weiter und so blieb nur der 24.12 als einziger trainingsfreier Tag. Die Flames der HSG Bensheim/Auerbach müssen auswärts beim bisher punktlosen Aufsteiger VFL Waiblingen antreten. Der Anwurf des letzten Auswärtsspiels in 2022 erfolgt um 15:00 Uhr.

Das Team von Trainerin Heike Ahlgrimm geht als Favorit in die Begegnung. Zwei Punkte beim Aufsteiger sind Pflicht und nach der schlechten Leistung vom Mittwoch in Neckarsulm fordert nicht nur die Trainerin eine Reaktion von ihrem Team.

Die Waiblingen Tigers haben nach ihrem Aufstieg in das deutsche Oberhaus alle acht Saisonspiele verloren und stehen daher derzeit am Tabellenende. „Man darf Waiblingen nicht unterschätzen. Nach unserem Auftreten in Neckarsulm sind sie sicher zusätzlich motiviert und hoffen auf ihre Chance“, warnt daher auch Heike Ahlgrimm.

Das Auftaktprogramm hatte es für den Aufsteiger gleich in sich. Das Team von Trainer Thomas Zeitz, das sich vor der Saison nicht nennenswert verstärkt hat, war in den Partien gegen die SG BBM Bietigheim (23:44) und Bad Wildungen (24:35) chancenlos, gegen die Sport-Union Neckarsulm (23:30) war man am 1. Spieltag hingegen lange im Spiel und auch in Blomberg (19:35) zeigte man trotz der letztendlich deutlichen Niederlage vor allem in der ersten Hälfte eine gute Leistung. Dies war auch in weiteren Begegnungen der Fall. Gegen den SV Union Halle-Neustadt lag man zu Beginn der zweiten Halbzeit nur 14:15 hinten, am Ende wurde es doch noch eine 22:34-Niederlage.

Am letzten Spieltag unterlag man zwar deutlich mit 28:41 bei Borussia Dortmund, doch war man da aufgrund von einigen Erkrankungen auch nur mit einem Rumpfteam von 2 Torfrauen und 8 Feldspielerinnen angetreten. Aufgeben war aber auch in Dortmund keine Option und man kämpfte bis zum Schluss.

Somit warten die Tigers weiterhin auf ihre ersten Saisonpunkte und dies soll auch noch nach dem Spiel gegen die Flames so sein.

„Wir müssen nicht lange drum herumreden, dass ich von meinem Team eine Reaktion erwarte nach dem schlechten Spiel in Neckarsulm. Wir haben einiges gut zu machen für die ganzen Fans, Sponsoren und Helfer, die sehr viel investieren und immer hinter uns stehen. Viele davon sind auch nach Neckarsulm gefahren und die haben wir maßlos enttäuscht. Es ist die Aufgabe der Mädels das jetzt wieder gutzumachen. Es geht darum, die zwei Punkte zu bekommen und dafür alles zu investieren, wie Leidenschaft, Kampfgeist und dass wir wieder die Tugenden zurückholen, die uns auszeichnen. Wir müssen mutig sein und als Mannschaft agieren und ein ganz anderes Auftreten haben. Die Marschroute ist klar. Wir sind die bessere Mannschaft. Das müssen wir zeigen. Der Gegner ist nicht leicht. Sie haben gegen uns und alle anderen Teams nichts zu verlieren. Es ist eine junge Mannschaft, sie machen ordentliche Spiele. Sie zahlen als junges Team viel Lehrgeld, aber sie haben beachtliche Ergebnisse erzielt und immer lange mitgehalten. Das muss uns bewusst sein. Aber wir sind Favorit und so müssen wir auftreten. Am Ende des Tages zählt für uns nur der Sieg. Das erwarte ich von den Mädels. Einfach eine Reaktion zu dem wirklich sehr, sehr schwachen Spiel und eine Widergutmachung. Das ist die klare Aufgabe“, fordert Heike Ahlgrimm unmissverständlich von ihrer Mannschaft.